Die wichtigsten Antworten zur Mediennutzung der Kinder

Allgemeine Fragen

Was bedeutet: "Das Kind sammelt einen grossen Teil der Medienerfahrung zu Hause?"

Im Lehrplan 21 ist genau formuliert, wofür die Schule aufkommen soll, was das Fach Medien und Informatik angeht. Trotzdem ist Medien und Informatik erst ab der fünften Klasse ein offizielles Fach. Kinder treten aber bereits viel früher in Kontakt mit Medien. Dieser Kontakt sollte von den Eltern unterstützt, kontrolliert und geführt werden. Es geht darum, dass die Kinder lernen, wie sie beispielsweise ein Tablet benutzen, wie man es entsperrt, welches App Zugang zum Internet ermöglicht, wofür ein Tablet überhaupt benutzt wird, warum es sorgfältig behandelt werden muss usw. Es wird nicht verlangt, dass die Eltern ihre Kinder unterrichten, sondern sie sollten ihnen ermöglichen, bereits ausserhalb der Schule Erfahrungen zu sammeln und Fragen zu stellen. Es sollte ein Umfeld erschafft werden, bei dem sich das Kind auch bezüglich Mediennutzung wohlfühlt und es nicht zu einem Tabu-Thema wird.

Soll ich meinem Kind mit Medienentzug bestrafen bei schlechten Noten?

Grundsätzlich ergeben "Bestrafungen" nur dann einen Sinn, wenn sie mit dem eigentlichen Problem in Verbindung gesetzt werden. Das würde in diesem Fall bedeuten, dass Ihr Kind schlechte Noten schreibt, weil es die Medien nutzt. Ergo: Wenn er/sie die Medien nicht mehr nutzt, müsste das Kind automatisch gute Noten schreiben.

In vielen Fällen werden den Kindern und Jugendlichen die so genannte "positiven Reize" (in diesem Fall: Die Mediennutzung) entzogen, die aber keinerlei Verbindung mit dem eigentlichen Problem hat. Gerade beim Thema "schlechte Noten" sollte genau hingesehen werden und der wahren Ursache des Problems auf den Grund gegangen werden.

Die Mediennutzung kann aber durchaus als Belohnung genutzt werden: Wenn eine Prüfung ansteht, können Sie Ihrem Kind nach einer Lernsequenz beispielsweise zusätzliche 30 Minuten (je nach Alter und individuellen Abmachungen) Medienzeit erlauben. Was aber nicht heisst, dass Sie das bei jeder Lernphase einsetzen sollten, denn sonst könnte die Wirkung verloren gehen.

Was gibt es für Möglichkeiten, Kinder vor schlechten Einflüssen aus dem Netz zu schützen?

Es gibt verschiedene Kinderschutzprogramme für den Computer. Macs haben eine Kindersicherung namens «Parental Control» im System eingebaut, die sich für die jungen User aktivieren lässt. Auch Microsoft hat mit «Windows Family Safety» eine ähnliche Lösung. Ausserdem gibt es verschiedene Programme, die sich zusätzlich installieren lassen. «Net Nanny» oder «Kaspersky Safe Kids», die sich sowohl auf PC, Mac und dem Smartphone installieren lassen, schneiden in Tests jeweils recht gut ab. Mithilfe dieser oder ähnlicher Softwares lässt sich die Internetnutzung mit Filtern einschränken, ihre besuchten Seiten überprüfen und zusätzlich die Zeit regeln, die Kinder vor dem Bildschirm verbringen sollen. Oftmals können gewisse Filtermöglichkeiten oder Zugriffszeiten auf dem Internet-Router definiert werden. Weitere Informationen finden Sie beim Beobachter.

Das reicht aber oft nicht aus, damit Ihr Kind nie mit einer Gefahr im Internet konfrontiert wird. Wenn die Nutzung von Medien beispielsweise bei Freunden zu Hause geschieht, kann man das als Eltern nicht kontrollieren. Deshalb raten wir zu einer allgemeinen Aufklärung über die Gefahren im Internet. Es geht nicht darum den Kindern Angst zu machen, sondern sie darauf aufmerksam zu machen, was im Netz passieren kann und vor allem, sie darauf vorzubereiten, wie sie zu reagieren haben.

Gehört zum Fach M&I auch, dass Sie in der Schule mit den Kindern Word/Powerpoint etc. anschauen?

Im Lehrplan 21 steht nichts konkret über die Programme von Microsoft. Trotzdem müssen die Schüler und Schülerinnen viele Kompetenzen erlernen. In den Bereich "Produktion und Präsentation" fällt z.B. die Anwendungskompetenz aus dem 2. und 3. Zyklus:

"Die Schüler und Schülerinnen können die Grundfunktionen von Geräten und Programmen zur Erstellung, Bearbeitung und Gestaltung von Texten, Tabellen, Präsentationen, Diagrammen, Bildern, Tönen, Videos und Algorithmen anwenden."

Diese Kompetenz beinhaltet also das Erlernen des Erstellens von Präsentationen. Ob dies nun mit Microsoft Powerpoint geschieht oder mit ebenso fähigen alternativen Programmen hängt sehr von der Schule (Stichwort Softwarelizenzen) und den Lehrpersonen ab. Die Schulen Kirchberg setzen auf die Microsoft Produkte aus der Office365-Reihe.

Nutzungszeiten

Ab welchem Alter soll ein Kind ein eigenes Handy haben? Und mit welchen Regeln? Wie lange?

Vielleicht haben Sie schonmal von der 3-6-9-12-Empfehlung gehört, die wir unterstützen. Aus unserer Sicht ist das Smartphone ab der Oberstufe ganz sicher in Ordnung. Vorher braucht man es nicht. Fehlen die Regeln - oder die konsequente Durchsetzung jener - hat das womöglich verheerende Folgen auf die soziale und schulische Entwicklung. Leider erhalten die Kinder, durch den sozialen Druck, immer früher bereits eigene Smartphones von ihren Eltern. Womit ein Kind ohne Smartphone in der 6. Klasse wohl bereits eine Seltenheit ist.

Unsere Empfehlung: Bleiben Sie stark und stellen Sie vor der Oberstufe kein Gerät zur selbständigen freien Verfügung. Ein Gerät für Notfälle oder für um in bestimmten Situationen erreichbar zu sein, kann man auch schon früher anschaffen. Aber dazu brauchts kein topmodernes Smartphone. Es gibt Telefone für CHF 50.-, die völlig ausreichend sind.

Nutzen Sie, als Ergänzung, auch die technischen Möglichkeiten zum Schutz. Es gibt Apps (mehr dazu in der nächsten Frage unten), die die Bildschirmzeit einschränken und vor gewissen Gefahren auf dem Smartphone schützen. Viele WLAN-Router haben mittlerweile Kinderschutzfunktionen, die natürlich nur nützlich sind, wenn Ihr Kind nicht den Ausweg über das Mobilfunknetz, dank Flatrate-Abo, nimmt.

Gute Tipps für Regeln rund um die Nutzungszeit finden Sie hier bei klicksafe.de.

Was gibt es für geeignete Apps, die auch wirklich funktionieren, um die Bildschirm-Zeit am Handy zu überwachen/einzuschränken?

Auf Apple-Geräten (iOS) ist eine umfangreiche Kindersicherung bereits fest im System integriert. Sie erlaubt Einschränkungen der Bildschirmzeit, App-Käufe im App-Store, Besuch bestimmter Webseites und vieles mehr. Eine Anleitung finden Sie auf der offiziellen Webseite. Ob diese Art der Sperre einwandfrei funktioniert, ist allerdings nicht klar. Das bedürfte einem Langzeittest.

Für Android-Geräte gibt es vom Hersteller Google die Gratis-App "Google Family Link". Ähnlich wie bei Bildschirmzeit von Apple können hier verschiedenste Möglichkeiten zur Beschränkung eingerichtet werden. Allerdings berichten viele Benutzer in den Rezensionen, dass Sperren mit einzelnen raffinierten Tricks umgangen werden könnten. Im Google Play Store gibt es viele Apps, die eine vergleichbare Funktionalität bieten, aber nicht gratis sind, teilweise sogar richtig Geld kosten. Allerdings ist uns keine App aufgefallen, die, gemäss der Rezensionen, absolut tadellos ihren Dienst tut. Deshalb ist auch hier Vorsicht geboten.

Man kann sich also nicht blind auf eine App verlassen. Kontrollieren Sie die Einhaltung der Regeln persönlich im Beisein des Kindes, sollten Sie Missbrauch vermuten. Schliesslich soll ihr Nachwuchs auch auf Vertrauensbasis die abgemachten Regeln einhalten. Entfernen Sie sicherheitshalber das Gerät in der Nacht aus dem Kinderzimmer und schliessen Sie es weg.

Falls Sie Fragen zur technischen Umsetzung haben und in der Region wohnen, helfen wir Ihnen hier gerne weiter. Melden Sie sich über das Kontaktformular.

Wie lange am Abend soll mein Kind das Handy benützen dürfen?

Diese Frage kann nicht generell beantwortet werden. Es hängt auch vom Alter des Kindes und den anderen Hobbies ab. Das Handy auf 30 Minuten beschränken, aber danach 3 Stunden fernsehen dürfen ist keine glückliche Alternative.

Sinnvoll ist sicher, dass es eine festgelegte Zu-Bett-gehen-Zeit gibt und 30 Minuten vorher das Handy, bzw. alle Bildschirme, abgestellt werden muss. Diese halbe Stunde ist nötig, um geistig herunterzufahren und anschliessend besser einschlafen zu können.

Gute Tipps für Regeln rund um die Nutzungszeit finden Sie hier bei klicksafe.de.

Wie lange darf mein Kind am Tag gamen?

Auch diese Frage kann nicht generell beantwortet werden. Es hängt auch vom Alter des Kindes und den anderen Hobbies ab. Gamen auf der Spiel-Konsole auf 30 Minuten beschränken, aber danach 3 Stunden fernsehen dürfen ist keine glückliche Alternative.

Tipp: Beschränken Sie die Zeit z.B. auf 7 Stunden pro Woche. Die Zeit darf das Kind frei einteilen, sofern nicht andere Abmachungen (Zu-Bett-gehen-Zeit) gebrochen werden. Mit guten Schulnoten oder Hilfe im Haushalt können zusätzliche Minuten verdient werden.

Computer und Spielkonsolen

Auf welche Punkte gilt es bei Spielkonsolen aufzupassen?

Jugendschutz: Bei jedem System können einzelne Benutzer angelegt und mit Jugendschutzmassnahmen eingerichtet werden. Beispielsweise kann festgelegt werden, dass sich ein Benutzer nur zu bestimmten Zeiten einloggen (und somit spielen) kann oder Spiele mit entsprechenden Altersfreigaben nicht spielen darf. So funktioniert es bei der Playstation 4.

Kreditkarten/Bezahlung: Die integrierten Shopping-Funktionen von jedem System ermöglichen es, in sekundenschnelle neue Inhalte (Spiele, Spielerweiterungen) zu kaufen. Dazu wird allerdings eine Kreditkarte benötigt. Ist diese Kreditkarte einmal hinterlegt, sind weitere Käufe ein Kinderspiel. Böse Überraschungen bei der nächsten Abrechnung sind schon vorgekommen. Und es handelt sich nicht immer um kleine Frankenbeträge.

Bildschirmzeit: Dieser Aspekt wurde weiter oben bei den Nutzungszeiten bereits diskutiert.

Rechtliches

Ist es erlaubt, vom Kind zu verlangen, die Chats durchzuschauen?

Heimliches Durchforsten des Handys geht gar nicht. Das ist ein grosser Vertrauensbruch. Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre. Aber Kontrolle kann auch in Ordnung sein, z.B. wenn dies zu einer Abmachung gehört, bevor dem Kind ein Smartphone angeschafft worden ist. Das Kind sollte dieser Kontrolle aber beiwohnen. So können bestimmte Punkte gleich miteinander besprochen werden. Der Zweck ist klar: Abwenden von Schaden. Und nicht Neugierde der Eltern stillen.

Ein guter Artikel zu diesem Thema aus dem Elternmagazin "Fritz und Fränzi" von Thomas Feibel: Hier klicken.

Welche Text/ Bildinhalte sind in einem Chat verboten? Ab wann macht man sich strafbar?

Hierzu hat die Kantonspolizei Zürich kürzlich ein nützliches Factsheet herausgegeben. Zu finden unter diesem Link. Kurz zusammengefasst:

Grausame Gewaltdarstellungen sind verboten, dürfen nicht verschickt und müssen bei Erhalt sofort gelöscht werden. Ebenfalls ist die Herstellung solcher Szenen verboten.

Pornografie: "Weiche" Pornografie ist grundsätzlich nicht verboten, sofern es nicht an Jugendliche unter 16 Jahren verschickt wird oder solche darauf abgebildet sind (--> Kinderpornografie!). Harte Pornografie ist, wie grausame Gewalt, verboten.

Mobbing, Drohungen, Diskriminierung, Rassismus: Kann, je nach Umstand, strafbar sein. Inklusive "Liken" von solchen Sachen!

Natürlich gilt hier: Wo kein Kläger, da kein Angeklagter. Wird Ihr Kind mit solchen Inhalten von KollegInnen belästigt, wenden Sie sich zuerst an die Erziehungsverantwortlichen, falls minderjährig, oder direkt an die Person. Wenn das nichts bringt, besuchen Sie den lokalen Polizeiposten um Tipps zum weiteren Vorgehen zu erhalten und allenfalls eine Anzeige zu erstatten.